Was hat Privatsphäre mit Stressmanagement zu tun?

Diese Woche habe ich einen Film gesehen, der mich sehr zum Nachdenken animiert hat: “The Circle” mit Emma Watson und Tom Hanks.

“THE CIRCLE ist ein packender Thriller über eine bestürzend nahe Zukunft, in der ein jeder ohne Privatsphäre ist, vollständig durchleuchtet und überwacht, und einen Konzern, dem keiner entkommen kann.” (Amazon Kurzbeschreibung)

Gedankenanstoß durch den Film

Irgendwie gruselig. Es ist zwar überspitzt aber wir tendieren schon in die Richtung wie es der Film beschreibt. Was steht von uns alles schon irgendwo im Internet für jeden zugänglich? Es wird so viel gedankenlos gepostet und geschrieben und veröffentlicht. Man selbst kann ja tun was man für richtig hält, aber die Kinder und andere Familienmitglieder oder Freunde werden ja oft nicht gefragt ob Fotos oder Gegebenheiten veröffentlicht werden dürfen.

Privatsphäre der Familie

Ich habe mir zwar schon von Anfang an Gedanken zur Privatsphäre meiner Familie gemacht, aber bin gerade am Zweifeln ob ich es immer ausreichend achte und berücksichtige. Auf einem persönlichen Blog wie meinem ist es eine schmale Gratwanderung und ich denke ich treffe nicht immer die richtige Entscheidung. Ich werde zukünftig besser darauf achten was ich schreibe, denn gerade meine Kinder können es ja auch in Zukunft hassen, wenn sie Dinge über sich im Internet finden. Ich wollte ihnen eigentlich Vorleben, wie man die neuen Medien vernünftig nutzt und auf seine Privatsphäre achtet. Durch die Bloggerei ist mir das Gespür irgendwie etwas entglitten. Vor einem Jahr wäre ich noch viel vorsichtiger und kritischer gewesen.

Eigentlich ist das Bloggen ja für mich wie Briefe an eine gute Freundin schreiben, nur mit dem Unterschied, dass es Jeder lesen kann. Ich weis das und trotzdem denke ich manchmal nicht daran oder achte nicht ausreichend darauf.

Wie wichtig Privatsphäre ist, hat mir dieser Film noch einmal deutlich vor Augen geführt.

Posten, Bloggen, Liken

Wir tendieren immer mehr dahin alles posten zu müssen und “Likes” zu sammeln um, ja warum eigentlich…? Um wahrgenommen zu werden? Zur Selbstdarstellung? Aus narzisstischen Gründen? Sind wir nichts wert wenn wir keine Likes in den Sozialen Medien erhalten? Wollen wir einfach dabei sein? Läuft das Geschäft sonst nicht? Verlieren wir sonst unsere Freunde?

Ich finde es kann unheimlich stressig werden, wenn man sich davon getrieben fühlt wieder einen neuen tollen Post zu erstellen oder allen zeigen zu müssen was man gerade treibt.

Positive Aspekte der Einblicke in die Privatsphäre

Die andere Seite ist, dass man in einer immer größer werdenden Welt mit Hilfe von Facebook, Bloggen und ähnlichem, gut Kontakt halten kann. Zu mindestens ein Stück weit.

Ich habe viele Freunde, Bekannte und Verwandte unter meinen Lesern. Mit meinem “Wochenende in Bildern”, wissen auch die Menschen die ich nur selten sehe, was bei uns so los ist und können etwas an unserem Leben teilhaben. Irgendwie fühle auch ich mich dadurch ihnen nahe. So ist das viel weniger zeitaufwendig, als allen Briefe oder  E-Mails zu scheiben oder mit ihnen zu skypen oder zu telefonieren. Es sind Freunde in Neuseeland, Bayern, Berlin, Dresden und und und.

Es ist so schade sie langsam aus den Augen zu verlieren und doch irgendwie unweigerlich. Mit dem “Montagsbericht” hoffe ich sie mir ein Stück weit nahe zu halten und in Verbindung zu bleiben. Der Preis dafür ist eben ein Stück weniger Privatsphäre, denn es kann natürlich jeder andere auch lesen. Für mich ist das ok, aber ich bin ja nicht allein am Wochenende oder überhaupt jemals. Mein Leben und meine Gedanken sind durchzogen von meiner Familie und Freunden.Dadurch erscheint doch ab und zu etwas von ihnen in meinen Artikeln. Ich frage selten nach ob das ok ist… . Das muss ich ändern.

Das Leben der anderen

Emma Watson trug in dem Film “The Circle” 24 Stunden eine Kamera und man konnte sie auf Schritt und Tritt beobachten. Das Schlimme daran war, dass man auch alle beobachten konnte mit denen sie Kontakt hatte. Das ist das eigentlich gruselige und erschreckende für mich.

Ja – ich erzähle euch gern von meinen Gedanken, Gefühlen, Erkenntnissen und Erlebnissen – ich hab nichts zu verbergen und was ich nicht preisgeben will erwähne ich auch nicht. Es macht mir Spaß etwas zu recherchieren und darüber zu schreiben, aber manchmal schreibe ich dabei auch etwas von meiner Familie und frage nicht explizit danach, ob das ok für sie ist. Es sind nur Kleinigkeiten – sicher, aber ok ist es trotzdem nicht.

Ich bin wer ich bin – auch ohne anonyme Zuschauer

Glücklicherweise habe ich den Luxus einer tollen Familie und toller Freunde. Keinen von ihnen interessiert es, wie ich mich auf meinem Blog oder anderen Sozialen Medien “präsentiere”. Sie kennen mich schon ewig und nehmen mich wie ich bin. Sie wissen Dinge von mir die nicht im Netzt stehen und sie begnügen sich auch damit.  Wir können ganz normal von Mensch zu Mensch reden und müssen das auch nicht irgendwo festhalten. Dieser Luxus führt dazu, dass es mich glücklicherweise nicht stresst, wenn ich wenig Likes für meine Beiträge bekomme. Ich freue mich darüber ja, denn es zeigt mir, dass es für meine Leser doch interessant ist was ich schreibe. Mein Selbstwertgefühl leidet aber auch nicht darunter, wenn ich keine Likes bekommen würde.

Für mich persönlich ist es also kein echter Stressfaktor und ich schaffe es auch mal eine Zeit lang nicht auf das Handy zu schauen, ob ich neue Nachrichten habe oder ob meine Bilder bei Instagram ein Gefällt mir bekommen. Dafür bin ich dankbar.

Suchtpotential der Medien

Der Gefahr bin ich mir allerdings durchaus bewusst die von den sozialen Medien ausgeht und auch nicht davor gefeit in diese Sucht zu gleiten. Das Suchtpotential ist definitiv vorhanden. Immer im Hinterkopf zu haben, wer auf meine Veröffentlichungen, welcher Art auch immer, reagiert. Ob es interessant genug war? Gefällt es den Menschen? Was könnte ich noch posten um mehr “Likes” zu bekommen? Schnell kann man in ein Gedankenkarusell abgleiten, was einen auch an der Erholung hindert. Wirklich entspannen und erholen kann man sich nur ohne Zuschauer. Ohne den inneren Druck wieder etwas von sich zu zeigen um bekannt zu bleiben,

Das Problem an der fehlenden Privatsphäre durch das posten ist meiner Meinung nach vor allem, dass man nicht mehr bei sich ist. Man verlernt im Hier und jetzt zu leben. Einfach mal nur Reiten oder Joggen oder mit den Kindern spielen ohne immer im Hinterkopf zu haben “Oh das wäre ein tolles Foto zum Posten…”. Eigentlich dramatisch für Zwischenmenschliche Beziehungen jeder Art. Und eben auch für die eigene Privatsphäre und die der anderen.

Zurück ins Digitale Steinzeitalter?

Natürlich kann und will niemand wieder in der Digitalen-Steinzeit leben, aber man muss sich immer mal wieder bewusst machen, welche Folgen mit den neuen Medien einhergehen und wie wir uns unbewusst davon stressen lassen.

Eine Lösung könnte sein: Bewusst Handy freie Zeiten einhalten und bei jedem Post und hochgeladenen Foto lieber 3 mal nachdenken, ob das so ok ist. Ich muss mir da als erstes an meine eigene Nase greifen.

Man muss wohl auch nicht jeden Trend mitmachen. Ich habe gute Freunde, die noch nicht mal ein Smartphone, geschweige denn einen Facebook-Account haben und wir halten trotz allem Kontakt und wissen viel voneinander. Eben nur wir und nicht der Rest der Welt. Irgendwie auch beruhigend.

Fazit

Ich möchte hier niemanden zu nahe treten oder kritisieren, ermahnen oder was weis ich. Ich schaue mir schließlich auch an was andere Leute veröffentlichen und lese das gern. Es sind nur meine momentanen Gedanken, die ich einfach gern mit euch teilen möchte.

Wer im Glashaus sitzt, sollte ja bekanntlich nicht mit Steinen werfen. Das tue ich gerade.  Mittlerweile habt ihr ja sicher mitbekommen, dass ich mir schnell und viel Gedanken mache und an dem was ich tue schnell zweifle 😉 . Der Film und ein kürzlich geführtes Gespräch haben diese aktuellen Gedankengänge ausgelöst.

Mein Fazit ist, dass ich zukünftig noch mehr überlege, was ich schreibe und welche Fotos ich hier hochlade. Ich werde auch schon veröffentlichte Artikel von mir noch einmal kritisch überprüfen und ggf. abändern. Seht es mir nach. Das gute an einem persönlichen Blog ist, dass man sich mit der Zeit weiterentwickeln und Dinge eben auch abändern kann. Ihr, die ihr schon von Anfang an mit lest, könnt das ja gut verfolgen und mit mir zusammen erleben. Ich hoffe euch gefallen die Beiträge trotz allem noch und wünsche euch von Herzen, dass ihr euch nicht von “Likes” und “Posts” und ähnlichem stressen lasst! Behaltet ein Stück eurer Privatsphäre es ist ein hohes Gut!

Schön, dass ihr hier mitlest.

Eure Mama Mude

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